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Der Valznerweiher

 

 

Heftausgabe FebrJuni 2016

Der Valznerweiher gehört nicht zu Mögeldorf, aber zu unserem Naherholungsgebiet, wenn wir ihn beim Spaziergang streifen oder im Inselrestaurant einkehren. Dieser Weiher, am Rand des Lorenzer Reichswaldes gelegen, war ursprünglich nicht mehr als ein kleiner Teich in einer Kette von ähnlichen Gewässern. Er wurde im Jahr 1375 von dem Patrizier Herdegen Valzner erworben und vergrößert, um eine ausreichende Wasserzufuhr für sein Hammerwerk, den Gleißhammer, zu gewährleisten, heute dort das Zeltnerschloss. Gespeist wurde der Valznerweiher vom Fischbach, der dann über den besagten Gleißhammer und den Tullnauweiher in die Pegnitz ging.

Als die Stadt Nürnberg 1495 den Dutzendteich erworben hatte, der bis dahin nur vom Langwasserbach gespeist war, wurde der Fischbach abgelenkt und über das heutige Zeppelinsfeld in den Dutzendteich geleitet. Etwa beim Sterntor erreichte er die Innenstadt. Auf seinem Weg in die Stadt musste er zwei Mühlen treiben. Auch die Wäscher, Gerber, und Bader waren auf sein Wasser angewiesen. Im 19. Jahrhundert verschwand der offene Bach immer mehr in der Kanalisation. Der Valznerweiher wird heute vom Hutgraben und vom Fischbach gespeist. An einem Wehr, ca. 1km östlich im Wald, kann ein Teil des Fischbachs über den Ludwigsfeld-Landgraben in den Valznerweiher geleitet werden. Aus ihm fließt dann der Goldbach über den Metthingweiher und den Zeltnerweiher in die Tullnau. Unterirdisch wird der Goldbach beim Wöhrder Talübergang in den Südlichen Pegnitzarm geführt.

Wer war dieser Herdegen Valzner, der Namensgeber des Weihers? Herdegen Valzner stammte aus Prag, hatte seinen Reichtum im böhmischen Bergbau erworben, wanderte nach Nürnberg aus und hatte seit 1401 das Nürnberger Bürgerrecht. Als Bankier von König Wenzel und seiner Nachfolger Sigismund und Ruprecht gelangte er in den Besitz vieler Güter rings um die Stadt, in Brunn, Hersbruck, Henfenfeld, Haimendorf und er stiftete die Kapelle auf dem Moritzberg. Seit 1403 war Herdegen Valzner in das Patriziat aufgenommen.

König Wenzel hatte dem vermögenden Bankier die Reichsmünzstätte in Nürnberg als Pfand überlassen. Er war dadurch Reichsmünzmeister, ein königlicher Beamter, der dafür zwar eine hohe Pfandsumme zu leisten hatte, aber dann mit vielen Privilegien ausgestattet war, zum Beispiel von Steuer befreit. Als Pfleger des Heilig-Geist-Spitals genoss er einen ausgezeichneten Ruf und galt als einer der reichsten Männer der Stadt. Er verstarb 1423. Sein Tischgrabmal steht in der Halle neben dem Kreuzigungshof im Heilig-Geist-Spital.

Der Sohn gleichen Namens verstarb 1427. Damit erlosch die Familie in männlicher Linie. Der Valznerweiher ging als Erbzinslehen an die Patrizierfamilie Nützel und wurde 1808 der Gemeinde Mögeldorf zugeschlagen. Mögeldorf wurde 1899 nach Nürnberg eingemeindet, der Valznerweiher zusammen mit Zabo erst 1923.

Der Valznerweiher als Restaurant hat eine lange Tradition als Ausflugslokal für die Nürnberger. Bereits Mitte des 19.Jahrhunderts hat hier ein Fabrikant Weber eine Wirtschaft betrieben. Ein sehr schönes Aquarell von Friedrich Trost aus dem Jahr 1865 zeigt, dass man damals dort eine Kahnpartie machen konnte. Später mussten sich die Wirte noch mehr an Unterhaltung einfallen lassen. 1902 hat man als besondere Attraktion eine Wasserrutschbahn aufgebaut. Von einem kleinen Turm konnte man mit einem Kahn in den Weiher hinunter rutschen. Der Valznerweiher war bis zum Ausbruch des 2.Weltkriegs bewirtschaftet. Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner das Restaurant als Club bis es Anfang der 50er Jahre zurück an die Stadt ging. Es wurde von verschiedenen Pächtern betrieben. Im Jahr 2000 verkaufte die Stadt das Anwesen.

Gehen wir aber nochmals in die Vergangenheit des Valznerweihers zurück. Bis anfangs des 19. Jh. warteten auf die Nürnberger hier besondere kulinarische Genüsse. Wenn Sie jetzt an Karpfen denken, dann liegen Sie falsch. Hier wurden Vögel aufgetischt! Auf der Insel des Valznerweihers standen nämlich Vogelherde, von denen es hier im Osten rund um den Schmausenbuck eine große Anzahl gab. Es waren eben nicht nur die Italiener auf der Jagd nach Singvögeln, sondern auch für die Nürnberger war der Vogelfang ein Freizeitvergnügen und eine Erwerbsquelle.

Vorzugsweise stellte man den wohlschmeckenden Krammetsvögeln (Wacholderdrosseln) nach. Eine Besonderheit für die Nürnberger war der Fang der Heidelerchen. Die Vogelherde rund um den Schmausenbuck hatten einen großen Zulauf von Nürnberger Bürgern, die sich hier die gebratenen Vögel aus erster Hand kauften und dazu einen guten Trunk kredenzt bekamen.

 

Elfiede Schaller |  Impressum | Letzte Änderung: 20.07.2016|Seitenanfang

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